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Tunnel "der Hoffnung"?
Der folgende Kommentar von W. Buhmann (SHZ 6. 2. 12) gibt zu denken:

Wie können mehr oder weniger philosophische Betrachtungen ein "Pendant zum Hanse-Belt" sein? Richtig erkannt ist, dass sich mit der Tunnelquerung des Fehmarnbelts das wirtschaftliche Kraftzentrum im Norden auf die Achse Kopenhagen-Lübek-Hamburg verschieben wird. Wie sieht nun nach Wolfgang Buhmann der Gegenentwurf Syddanmarks und Nordschleswig-Holsteins aus? Wir lesen: "Nicht die Hände in den Schoß legen; Leitbild Wachstumszentrum Esbjerg/Kiel, Odense, Husum". Wie gesagt: Leitbild ... um nachzuziehen. Man spricht von einem neuen Selbstverständnis. Da südliche Dänemark und das nördliche Schleswig-Holstein wollen sich nicht länger als zwei Randgebiete begreifen. Das wollten sie aber schon seit Jahrzehnten nicht! Dann gibt es Gedanken, ein Entscheidungsgremium zu etablieren, ohne allerdings einen Entscheidungsspielraum zu skizzieren. Alles wie gehabt, viel Gerede, kein selbstbewusstes Zupacken, letztlich kein Gegenentwurf.
Fakt ist doch: Die Wirtschaftsströme aus dem Norden Europas werden sich in hohem Maße auf die Achse Kopenhagen - Hamburg über die Tunnelquerung verlagern. Dänemark kann offensichtlich verkraften, dass die Brückenachse Seeland-Fünen-Jütland an Attraktivität und Bedeutung verlieren wird. Das werden die dortigen Experten schon durchgerechnet haben. Deshalb auch die Kostenübernahme für den ganzen Tunnel (nicht die Anbindung in Deutschland) durch die dänische Seite, eine ungewöhnlich schnelle und bereitwillige Entscheidung der ansonsten so sparsamen, aber als gewiefte Kaufleute geltenden Dänen. Schöne Reden, beschworene Leitbilder und Gesprächsforen werden dagegen wenig oder gar nichts bewegen. Der ohnehin sehr strukturschwache Norden Schleswig-Holsteins wird mit erheblichen Einbußen seiner sensiblen Wirtschaftskraft rechnen müssen. An den Grenzübergängen in Flensburg wird das erkennbar werden.
Es ist befremdlich oder bezeichnend , dass die Fortschreibung der Schleswig-Holsteinischen Entwicklungsplanung für den Nordosten des Landes (u. a. Kreis Schleswig-Flensburg) ab Lübeck keine durchgehende Entwicklungsachse an der Ostküste vorsieht. Es wäre fatal, wenn daraus der Schluss gezogen werden müsste, dass dieser Landesteil abgeschrieben ist. Vielleicht werden wir ja von Regierungsseite (Bund und Land) hören, wir sollten allein auf den Tourismus setzen, das wäre doch unsere Stärke. Das wird nicht reichen, wenn die Verkehrsströme (und die Touristen) den Norden nicht mehr erreichen! Fakt ist: Die Tunnelquerung des Fehmarnbelts wird die verbliebene, geringe Wirtschaftskraft des Nordens von Schleswig-Holstein spürbar schwächen.
Der Belttunnel wird den beeindruckenden Nachweis der neuen regionalen Entwicklung Europas liefern. Mit diesem Brückenschlag wird über 25 km eine große europäische Wirtschaftsregion, nämlich Nordeuropa und Teile des Baltikums verkehrstechnisch an die Wirtschaftsräume Hamburg und übriges Europa angebunden. Dieser Ausdruck gewollter Globalität sollte zum Ausgangspunkt künftiger bundespolitischer und gesellschaftlicher Überlegungen werden. Nicht kleinräumliche Länder, schon gar nicht Kreise, können sich auf Dauer ausgewogen und fair im Wettbewerb den globalen Herausforderungen stellen, sondern bundesdeutsche Regionen "Norden, Süden, Osten, Westen". Der Föderalismus in seiner jetzigen Ausformung kann diesen Ansprüchen nicht genügen. In einer neuen globalen, EU-gelenkten Ordnung könnten auch strukturschwache, also arme Regionen ausreichend versorgt und wettbewerbsfähig existieren.