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12.01.2012

Tourismus in Kappeln und Gelting


Kategorie: General
Erstellt von: Marendt
Tourismussituation in Kappeln und Gelting

Die Fraktion der Liberalen Wählergemeinschaft Kappeln befasste sich auf der letzten Sitzung sehr eingehend und intensiv mit der gegenwärtigen Situation des Tourismus in Kappeln und Gelting. Als Gäste waren der Vorsitzende des Touristikvereines Kappeln Schlei/Ostsee,Ingwer Hansen,  und das Vorstandsmitglied Heinrich Nissen vom Touristikverein Ferienland Ostsee/Gelting erschienen. In einem detaillierten Rückblick schilderten sie übereinstimmend den Ablauf der Gesellschafterversammlung der Ostseefjord Schlei GmbH (OFS) am 29. 9. 11, die mit dem „Rausschmiss“ der beiden Vereine aus der Gesellschaft endete. Es wurde mit Unterstützung der in der Gesellschaft vertretenen Kappelner Stadtpolitik beschlossen, ihre Gesellschaftsanteile einzuziehen.
Die Fraktion der LWG verurteilte geschlossen den rücksichtslosen und taktisch unklugen Umgang mit den historisch gewachsenen Fremdenverkehrsvereinen.  Wenn heute über die touristischen Leuchtturmpositionen von Kappeln und Gelting gesprochen wird, so wäre dies allein der beharrlichen Arbeit der Vereine seit über 40 Jahren und nicht der OFS zu verdanken. Gleichwohl wurde erkannt, dass eine regionale Werbung neben dem lokalen Marketing sinnvoll wäre. Die Mehrheitspolitik in Kappeln hätte aber unverständlicherweise den Weg gewählt, der OFS die Allzuständigkeit über die Tourismusarbeit, auch das lokale Marketing und die Touristinformation  zu übertragen.  Wie befürchtet blieben Leistungen und Ergebnisse allerdings weit hinter den Ankündigungen und Erwartungen zurück. Erkennbar wäre allenfalls die Absicht der OFS und Mehrheitspolitik, den Vereinen die Existenzgrundlagen abzugraben und die Vereinsmitglieder abzuwerben. Vielsagend  ist die Aussage der Geschäftsführerin der OFS im „Schlei-Boten“ vom 12. 11.: „ … in dem Magazin sehe sie mit Blick auf die jüngsten Unstimmigkeiten … einen klaren Beleg dafür, dass sich die OFS weiterhin mit aller Kraft für eine einheitliche Vermarktung der Region inclusive Kappeln und Gelting engagieren wolle“.  Um das zu erreichen, müsste die OFS allerdings die Vermietungskontingente der Vereine übernehmen, und das wird wohl angesichts der augenblicklichen Stimmungslage unmöglich sein.
Im Wesentlichen bestimmte die Zukunft der Tourismusarbeit in Kappeln und Gelting die Aussprache. Es wurde deutlich erkennbar, dass zwischen den Vereinen der Wille zu einer sich verengenden Zusammenarbeit besteht. Über Formen und Lösungen würde derzeit nachgedacht. Ausdruck erfolgreicher Zusammenarbeit wäre die gemeinsame Herausgabe des Gastgeberverzeichnisses für 2012. Mit großer Genugtuung wurde berichtet, dass vor wenigen Tagen die Verteilung der 35.000 Exemplare des aufwändig gestalteten Kataloges begonnen hätte. Allein in Kappeln würden 286 Quartiere angeboten, während die OFS in Kappeln lediglich 35 Ferienwohnungen präsentieren könnte. Zusammen mit dem Geltinger Raum wäre das Angebot der Vereine fast so umfassend wie das Volumen der OFS für den Restbereich der Region, einschließlich der Stadt Schleswig. Da löste die Mitteilung, dass sich die OFS weigere, die Unterkunftsverzeichnisse der Vereine in der städtischen Mühle „Amanda“ (T) nachfragenden Gästen auszuhändigen, Kopfschütteln aus. Ingwer Hansen erklärte ausdrücklich, dass es nur um das Aushändigen ginge, den Versand übernähme der Verein ohnehin auf seine Kosten. Es stellt sich die Frage, wie die OFS überhaupt in der Lage sein wird, mit ausgewiesenen 35 Unterkünften in ihrem Verzeichnis allen  Gästenachfragen in Kappeln und Gelting nachzukommen. Es wurde die Befürchtung laut, dass dann oft Vermittlungen in das Umland zu Lasten der Kappelner und Geltinger Vermieter stattfinden. Auch Fragen der künftigen Organisation bewegten die LWG-Mitglieder. Sie erfuhren, dass die Vereine z. Z. den Einsatz eines eigenen, bedarfsgerechten  Buchungssystemes prüfen. In diesem Zusammenhang wurde die Mitteilung mit Überraschung zur Kenntnis genommen, dass z. Z. lediglich 2 % der Buchungen in Kappeln über das Internet (online) erfolgen. 98 % der Buchungen würden nach direkter Kontaktaufnahme mit dem Vermieter abgeschlossen werden. Die Online-Buchbarkeit der Quartiere war und ist ein wesentlicher Diskussionspunkt in den „Verhandlungen“ der OFS mit den Vereinen, also z. Z. absolut zu vernachlässigen. Diese Erkenntnis ist auch Beleg dafür, dass seitens der OFS und der Politik überhaupt kein Zeitdruck für ein Handeln gegen die Vereine bestand.  Es geht der OFS wohl doch um das lukrative Geschäft mit den Gastgeberverzeichnissen, die wiederum die verbleibende Existenzgrundlage der Vereine bilden.
Der umfangreiche Gedankenaustausch ließ keine positiven Merkmale erkennen, wie sich die Ostseefjord Schlei GmbH und die Touristikvereine Kappeln und Gelting noch verständigen könnten. Vielmehr entstand der Eindruck, dass die Vereine sich intensiv darauf vorbereiten, das Vermietungsgeschäft und lokales Marketing künftig mit großer Dynamik und bei Ausschöpfung aller technischen Möglichkeiten selbständig zu betreiben.  Die Vereinsvertreter äußerten ihre Überzeugung, dass es der OFS nicht in großem Maße gelingen wird, den Vereinen Mitglieder abzujagen. Zu stark wären die wirtschaftlichen und emotionalen  Bindungen der Mitglieder an die historisch gewachsenen Vereine.  Wirtschaftlich z. B., weil Vermietungen durch die OFS mit 19 % Mehrwertsteuer belegt werden, während dieser Zuschlag bei den ehrenamtlich geführten Vereinen entfällt. Ingwer Hansen brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Stadtpolitik das jetzige Dilemma erkennt und daraus die richtigen Konsequenzen ziehen wird. Die mit der OFS geschlossenen Verträge hätten eine begrenzte Laufzeit (Mühlenvertrag bis 31. 12. 2012), so dass bei ernsthaftem Willen weiteren schädlichen Entwicklungen Einhalt geboten werden könnte. Eine landespolitisch gewollte (!) und auch aus pragmatischen Gründen sinnvolle Zusammenarbeit der starken Touristikvereine aus Gelting und Kappeln mit der regional wirkenden OFS würde eine schlagkräftige und leistungsstarke Plattform zum Wohle der touristischen Wirtschaft in dieser Region schaffen. Heinrich Nissen fügte salomonisch hinzu: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“ (und meinte die Zusammenarbeit der Vereine).
Die LWG-Mitglieder äußerten abschließend die Erwartung, dass im  Aufsichtsrat der OFS durch die von der Stadtvertretung Kappeln entsandten Mitglieder und den Bürgermeister ihr bisheriger Standpunkt, der zum „Rausschmiss“ der Vereine beigetragen  hat,  in ihrer Wirkung überprüft und korrigiert wird. Die Kappelner Vertreter in Aufsichtsrat und Gesellschaft  hätten zu bedenken, dass nicht Fragen der Existenzsicherung der OFS im Vordergrund stünden, sondern dass es um die gesamtwirtschaftlichen Grundlagen der Regionen Kappeln und Gelting geht. Für den „Rest“ der OFS gelte der Anspruch, regionale Tourismusarbeit ausgewogen und wirtschaftlich, d. h. unabhängig von öffentlichen Mitteln, auszugestalten. Das würde ohne die Einbindung der grossen Touristikvereine Kappeln und Gelting nicht gelingen!

Kappeln, 17. 10. 2011