Aktuelles

11.01.2012

Tourismus in Kappeln


Kategorie: General
Erstellt von: Marendt

Enttäuschte Hoffnungen

Es sollte der Höhepunkt der spontanen Unterschriftenaktion der Vermieterinitiative des Touristikvereines Kappeln/Schlei-Ostsee e. V. sein. An einem Tag wurden 828 Unterstützungsuntershriften gesammelt. Unterschrieben hatten Menschen, die sich um den Tourismus in Kappeln große Sorgen machen.  Menschen, die nicht verstehen, wie der Touristikverein Kappeln von der Mehrheitspolitik der CDU und SPD ausgesperrt wird. Über 40 Jahre war der Verein der Motor des Tourismus unserer Stadt. Dann wurde ihr eine von Regierungs- und Politikvisionären erdachte Organisationsform  übergestülpt, ganz nach dem Motto: „Friss Vogel oder stirb`“.  Die „Krönung“ dieser Entwicklung war der Rausschmiss des Vereines aus der Gesellschaft OFS und der Rausschmiss aus dem städtischen Touristzentrum  „Mühle Amanda“. Der Verein wusste sich in seiner Not zu helfen, vereinbarte eine enge Zusammenarbeit mit dem Nachbarverein in Gelting und gab sein eigenes Gastgeberverzeichnis heraus. Dieses umfasst immerhin ca. 400 Unterkünfte, während das Verzeichnis der OFS lediglich ca. 40 Anbieter parat hält.

Und nun zum „Höhepunkt“. Eingeladen waren neben der Vermieterinitiative der Vereinsvorstand, die Fraktionsvorsitzenden der Stadtvertretung, der Bürgervorsteher, die der Ausschussvorsitzende und die Presse.  Die Sprecherin der Vermieterinitiative, Frauke Jochimsen, übergab dem Bürgermeister mit erläuternden Worten das Paket der Unterschriften. Sie machte deutlich, dass es dem Verein in erster Linie darum ginge, ihr Gastgeberverzeichnis wieder in der Mühle auslegen zu können und den Verein im Internet mit der Stadtseite zu verlinken. Neben all dem Ungemach, das Verein in den vergangenen Monaten erlitten hat, waren die Forderungen bescheiden und vernünftig formuliert. Der Bürgermeister äußerte seine Unzufriedenheit über den derzeiten Organisationszustand des Kappelner Tourismus und versprach, „die Gesprächsbereitschaft zwischen der OFS und dem Verein am Leben zu erhalten“. Was diese Worte wert sind, zeigt dagegen die eingeholte Äußerung der Geschäftsführerin der OFS, Anke Lüneburg. Sie wies auf abschließende Beschlüsse der Stadtvertretung und Gespräche hin. Im übrigen würden auch andere Anbieter ihre Produkte nicht in der Mühle auslegen können. Basta!

 

Wenn die Mitglieder der Vermieterinitiative erwartet hatten, dass es zu einem Gedankenaustausch mit den Fraktionen käme, sahen sie sich enttäuscht. Lediglich der Vorsitzende der LWG-Fraktion, Michael Arendt, meldete sich zu Wort. Er dankte der Initiative für ihre Leistung und gratulierte zu dem großen Erfolg, die öffentliche Meinung zur derzeitigen Situation des Fremdenverkehrs in Kappeln einzufangen. Er versprach, dass die LWG sich nach Kräften bemühen werde, den Verein in seinen berechtigten Forderungen zu unterstützen. Den heutigen Zustand bewertete er als Debakel. Von den anwesenden Vorsitzenden  der Mehrheitsfraktionen der CDU und SPD, gleichzeitig Aufsichtsratsmitglieder der OFS, kam kein Wort der Erklärung oder Begründung. Basta!

Die LWG-Fraktion hat sich am gleichen Abend intensiv mit der Problematik befasst. Zum wiederholten Male wurde die Situation diskutiert und bewertet. Es wurde erkannt, dass die beeindruckende Unterschriftenaktion des Vereines wohl keinen Beton getroffener Entscheidungen aufweichen würde. Auch die Stellungnahme der Geschäftsführerin der OFS  ließe kein Umdenken erkennen. Die politische Mehrheit aus CDU und SPD in der Stadtvertretung will offensichtlich die Konkurrenzsituation zwischen OFS und Touristikverein und lehnt eine gleichberechtigte Partnerschaft ab. Alle gegenteiligen Beteuerungen sind nicht überzeugend. Sie sind offensichtlich bereit hinzunehmen, dass über mehrere Jahre ein selbstzerstörerischer Wettbewerb besteht und hoffen, dass letztlich der Touristikverein „klein beigibt“. Das kann eine gefährliche Fehleinschätzung sein! Wie lange kann sich die OFS leisten, auf den Zugriff des attraktivsten und wirtschaftlich stärksten Teiles des Verbandsgebietes, nämlich Kappeln und Gelting, zu verzichten? Kappeln und Gelting sind die touristischen Hochburgen der Gesellschaft und waren bis zu ihrem Rausschmiss das Rückgrat der OFS. Das wird man wahrscheinlich aber erst später erkennen, vielleicht wenn andere Mehrheiten oder Standpunkte nach der Kommunalwahl 2013 das Sagen haben? Z. Z. sonnt man sich auf Gesellschaftsebene (Geschäftsführung, Aufsichtsrat) vermutlich im Gefühl, Stärke bewiesen zu haben. Dabei würde man vergessen, dass sich neben der OFS in Kappeln und Gelting eine schlagkräftige Organisation – auch technisch - entwickelt hat, die über „kurz oder lang „ das Feld nicht räumen wird, kann und darf. Aber solange die OFS die Fürsorge der öffentlichen Hand erfährt, wird sie wohl durchhalten. Erst wenn die Ertragsseite –sie hat das Monopol der Vermarktung, aber nur ein kleines  Kontingent- mit dem Blick auf die Rendite (GmbH = Gewinnerzielungsstreben) objektiv kritisch bewertet wird, kann sie ins Schwimmen geraten. Für den Verein bedeutet dies, Beharrungsvermögen und Effektivität zu zeigen.

Die sehr drastisch dargestellte Situation darf nicht länger hingenommen werden. Sofortiges Handeln nach  wirtschaftlichen und kaufmännischen Maßstäben  ist gefordert! Bürokratie und Politik können hierfür keinen Beitrag mehr leisten, es sei denn, die zerstörenden Beschlüsse der Mehrheitspolitik  werden rückgängig gemacht. Doch die sind einbetoniert! Zur Lösung können nur unmittelbar der Touristikverein und die OFS  führen. Der OFS muss klar werden, dass sie auf die Zusammenarbeit mit dem Verein auf Dauer angewiesen ist (Gästebetreuung, Unterkunftsvermittlung), und der Verein wiederum auf die Marketingleistungen der OFS. Die objektive Erkenntnis der gegenseitigen Abhängigkeit sollte Grundlage genug sein, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Die LWG bemüht sich derzeit, ein schlagkräftiges Strategiemodell zu entwickeln und wird es gerne dem Verein und der OFS zur Verfügung stellen. Am Ende muss eine funktionierende sog. „LTO“ stehen, die alle Sequenzen des lokalen Fremdenverkehrs erfasst und mit einer Stimme auf dem heiß umkämpften Markt spricht. Die von allen Seiten immer wieder stereotyp verkündete Gesprächsbereitschaft muss eingelöst werden!


Kappeln, 11. 1. 12

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