Archiv

19.12.2011

"Tourismusstreit" in Gelting und Kappeln


Kategorie: General
Erstellt von: Marendt

 

2012 – wohin geht die Reise?

Das Jahr 2011 war “ein schwarzes Loch” für den Tourismus in der Region Kappeln und Gelting. Nur den aktiven und (noch) motivierten Mitgliedern der hier engagierten Vereine ist zu verdanken, dass kein Absturz in den Vermarktungsergebnissen erfolgte. Der Rausschmiss der Touristikvereine Kappeln und Gelting aus dem Regionalverbund Ostseefjord Schlei GmbH (OFS) hätte sonst verheerende Folgen gehabt. Jetzt kämpfen die Vereine mit Einfallsreichtum und Energie gegen den völligen Zerfall der Organisationsstrukturen. Sie kooperieren durch ein gemeinsames Gastgeberverzeichnis, betreiben ein eigenes hochmodernes Buchungssystem und eigene Informationszentren. Dies alles neben der im hiesigen Raum nur schwach vertretenen OFS, der in Kappeln mit dem Willen der Mehrheit aus CDU und SPD ein Alleinvertretungsrecht für den lokalen Tourismus übertragen wurde. Den Empfehlung des Landes Schleswig-Holstein (als Richtliniengeber für die Gründung der LTO), eine Zusammenarbeit mit den örtlich vorhandenen Strukturen (z. B. Vereine)zu erwirken,  wurde nur mit Lippenbekenntnissen gefolgt. So kam, was kommen musste. Der TV Kappeln wurde aus allen Kompetenzen rücksichtslos herausgedrängt. Nur haben sich offensichtlich die Erwartungen der so handelnden Interessenvertreter, zu denen zur Verwunderung Vieler auch der Wirtschaftskreis Pro Kappeln gehört,  nicht erfüllt. Die über 300 Mitglieder des Vereines halten diesem die Treue und wollen keine Vermarktung durch die OFS. Das hat letztlich zu einem schwerwiegenden Konflikt geführt. Eine Lösung zeichnet sich z. Z. nicht ab, zumal die Kooperation der Touristikvereine Kappeln und Gelting mit starker technischer Ausstattung, Organisationskraft in wirtschaftlich starken Einzugsbereichen und ausgeprägtem Selbstbehauptungswillen die Grundlagen für eine starke Vermarktungsstruktur geschaffen haben.

In Kappeln stellt sich im Vergleich zu Gelting  die jetzige Situation aber besonders dramatisch dar. Dem Verein wurde mit fragwürdigen Hinweisen auf Konkurrenz und Hausrecht der OFS untersagt, ihr Gastgeberverzeichnis im Touristzentrum Mühle auszulegen. Aus der Mühle heraus können also nur die Vertragsunterkünfte der OFS  angeboten werden. Das sind lediglich ca. 45, während der Verein über 300 vermarktet. Die Vereinsquartiere können nur „auf der Straße“, in Geschäften und freundlichen Einrichtungen angeboten werden. Das dürfte zum wirtschaftlichen Schaden für die Stadt Kappeln sehr oft am Urlauber vorbei gehen! Die Hoffnung begründet sich also auf einen starken Zuwachs an On-line-Buchungen, und hier ist der Verein gemeinsam mit dem Geltinger Verein bestens gerüstet. Es steht zu befürchten, dass der OFS-Druck auf den Verein mit Unterstützung der Mehrheitsfraktionen anwachsen wird, um die Vereinsmitglieder zu verunsichern und in die „Arme“ der OFS ohne Gegenleistung zu treiben. Die OFS will den Zugriff auf das finanziell lukrative Gastgeberverzeichnis und die Vermietungsprovisionen durchsetzen, um endlich Erträge zu erwirtschaften. Noch hängt sie am kommunalen Tropf und erhält in Kappeln aus öffentlichen Mitteln direkt und indirekt jährlich ca. 265.000 €. Auf der Habenseite stehen nur 18.900 € eigene Erträge!

Heute (s. o.) hat sich das Amt Gelting für`s  Erste aus dem Stufenplan zur Gründung einer LTO (das ist die OFS) verabschiedet. Dort läuft die Tourismuswirtschaft vorerst also wieder in den alten Bahnen. Kappeln hingegen hat eine LTO (!), jedoch eine Organisation ohne lokale wirtschaftliche Schlagkraft, aber ausgestattet mit einem anspruchsvollen Touristzentrum und viel Personal (bezahlt von der Stadt). Die aktuelle Schlagkraft liegt beim Touristikverein Kappeln, der jedoch ausgebootet wurde. In einem jüngst veröffentlichten Leserbrief im „Schlei-Boten“ wurde Kappeln mit „Büttenwarder“ verglichen. Angesichts der von der CDU/SPD-Mehrheit durchgesetzten Politik scheint dieser Vergleich nicht unangebracht zu sein. Die LWG wird jeden Versuch unternehmen, die touristische Situation in und für Kappeln mit eigener Initiative zu befrieden. Ziel muss eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen OFS als Regionalverbund und dem lokalen Verein als „vor Ort“ handelnder Träger sein, wie auch immer die Kooperation  verfasst wird.  Anfang 2012 sollte die Gespräche als Expertenrunde wieder aufgenommen werden, ohne dass vergangene Verletzungen und Schuldzuweisungen wiederholt werden. Der „status quo“ ist zu erkennen und zu akzeptieren und muss die Grundlage für ein künftiges Zusammengehen bilden. Das gelingt nur bei gleicher Augenhöhe, gegenseitigem Respekt  und ohne Einmischung unkundiger und Interessen geleiteter Politik und wird einen längeren Übergangszeitraum erfordern.  Die erfolgreiche Unterschriftenaktion des Kappelner Touristikvereines am vergangenen Wochenende beweist den Willen der hier agierenden Vereinsmitglieder, ihre Belange den Interessen der Stadt zuzuordnen und dort Unterstützung zu suchen, woher sie letztlich nur kommen kann, von den Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Von der Mehrheitspolitik der Stadtvertretung haben sie diese Unterstützung nicht erfahren! Dort wurden sie ausgesperrt und weggestoßen.

Die LWG wird die Situation des Kappelner Tourismus beharrlich im Zentrum ihrer lokalpolitischen Aktivitäten behalten, bis eine Problemlösung erreicht worden ist. Sie wird den fast 400 Mitgliedern des Touristikvereines Schlei/Ostsee gerne Partnerin sein, wenn es um Unterstützung ihrer Belange geht. Wir sind überzeugt, dass die sachkundige Konzentration auf das Notwendige und Machbare sowie das Anerkenntnis der jeweiligen Stärken eine reale Basis für eine segensreiche Zusammenarbeit von Verein und OFS bilden können. Daran muss mit Kraft gearbeitet werden!